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Das Phil Markowitz Trio bei seinem Auftritt in der Stanzerei in Baden AG
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∆ Ein gelungener Auftakt. Das Kulturlokal Stanzerei auf dem Merker-Areal in Baden hat seine Tauglichkeit beim inspirierten Auftritt des Phil Markowitz Trio [Phil Markowitz p, Jay Anderson b, Adam Nussbaum dr] vom 14.11.08 bewiesen. Man darf gespannt sein, ob sich beim Einsatz von Bläsern die vorzügliche Akustik bestätigt. Die Voraussetzungen sind jedenfalls gegeben. Neben dem jazzgeeigneten Kawai-Flügel ist auch ein leistungsfähiges Sound-System verfügbar. Die Initianten, die Architekten Zulauf & Schmidlin, haben einen in allen Teilen durchdachten Kuturraum geschaffen, der sich für verschiedenartigste Veranstaltungen anbietet. Der im gleichen Gebäude angesiedelte Catering-Service unterstreicht die vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten der Stanzerei, die sich auch für Feste und Feiern mieten lässt.
Es war ganz offenkundig, die Anwesenden hatten den mit reduzierten Stilmitteln restaurierten Raum, von dessen ursprünglichem Zweck noch Decke und Fussboden zeugen, für sich annektiert. Nach Ende des durch KULAK veranstalteten Konzertes mit dem Phil Markowitz Trio dachten viele nicht ans Heimgehen, jedenfalls waren die auffällig unauffällig, wirkungsvoll gestaltete Bar und die Stehtische davor noch für einige Zeit belagert. Erstes Bild [=>] |
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www.jazz-links.org
Ergänzungen zu den erkorenen MusikerInnen
Christoph GALLIO einige CDs: "A Gertrude Stein" mit William Parker, Ellen Christi, Rashied Ali || "Mösiöblö (Ample Food)" mit Dieter Ulrich, Christian Weber, Sara Maurer || Day & Taxi "About" "Less And More" mit Dieter Ulrich, Dominique Girod || Day & Taxi "Live In Shenzhen, Shanghai and Taipei" mit Marco Käppeli, Christian Weber (auch als LP)
Marcel LÜSCHER die CD "Dead Lilies" seiner Band Yum Yum Yum erscheint demnächst [mit Bruder Thomas Lüscher, Luca Sisera, Beni Bürgin]
Martin SCHLUMPF bcl, contra-bcl: die CD "Zweizeit" mit Pianist Adrian Frey ist kürzlich erschienen
Die beiden nachfolgenden MusikerInnen verfügen noch nicht über eine eigene Homepage
Co STREIFF as, ss, perc: einige CDs - "Twin Lines" im Duo mit Irène Schweizer || Co Streiff Sextett "Qattara" mit Tommy Meier, Christoph Gantert, Ben Jeger, Christian Weber, Fred Flückiger | "Loops, Holes & Angels" ohne C. Gantert, mit Russ Johnson || alle CDs bei Intakt herausgekommen
Omri ZIEGELE as, comp, bad lyrics: einige CDs: "Noisy Minority" mit Jan Schlegel, Dieter Ulrich || Schweizer/Ziegele "Where's Africa" mit Irène Schweizer p ||
Billiger Bauer "The Slilence Behind Each Cry - Suite for Urs Voerkel" sowie "Edges & Friends" das einzigartige Langzeitprojekt Billiger Bauer mit Omri Ziegele as comp lyrics, Dieter Ulrich+Marco Käppeli dr, Gabriela Friedli p, Herbert Kramis+Jan Schlegel b [Peter Landis, Christoph Gantert bzw. Jürg Wickihalder ss und Bernhard Göttert cello] || CDs bei Unit Records und Intakt erschienen
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Ehrungen
Das Aargauer Kuratorium überreichte am 25. Oktober auf Schloss Lenzburg Beiträge an das künstlerische Schaffen und vergab Atelier-Aufenthalte in den Bereichen Literatur und Musik. Eine glückliche Hand bewiesen die Juroren bei der Wahl der Musiker. Für den Jazz waren dies u.a. Co Streiff, Christoph Gallio, Hans Koch, Marcel Lüscher, Omri Ziegele
Informationen zu den MusikerInnen |
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Dominique Pifarély
"Poros" auf ECM
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Mark Feldman
"What Exit" auf ECM
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| Michel Musillami Trio with Mark Feldman | You Tube |
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Aktuelles Ärgernis
Nicht genug, dass selbst arrivierte JazzmusikerInnen um rare Auftrittsmöglichkeiten rangeln und sich um ausreichende Absatzzahlen ihrer Tonträger sorgen müssen, da erwächst ihnen auch noch Konkurrenz von spitzenverdienenden Klassikstars, die unter dem Hag durchfressen. Von THOMAS QUASTHOFF zum Beispiel mit seinem 2007 erschienenen, von einer unterwürfigen Laienpresse hochgelobten Album "Standards", auf welcher er im Gestus eines Crooners Jazz-Lieder zum Besten gibt, frei von jazzmässiger Phrasierung und ohne erkennbaren Ansatz einer Improvisation. "Du sollst nicht an fremden Leisten schustern" oder wie das Gebot sonst heisst. Mark Murphy würde sich im Grabe drehen, wenn er nicht noch leben würde. Seine LP "Bop For Kerouac" im Anschluss gehört, setzt den Massstab und zeigt auf, was dem Quasthoff-Wellness-Sound fehlt: die Kraft und Empathie einer durch ein Leben im Jazz geprägten Stimme und die Innovation, aus jedem Song ein unverwechselbares und eigenständiges Werk zu schaffen. "Bop For Kerouac" aus dem Jahr 1981 hat weiterhin Bestand; "Standards" von Quasthoff ist lediglich ein für den Markt designtes Kommerzprodukt.
Der in der Aargauer Zeitung vom 8. September als "Punkgeiger" apostrophierte NIGEL KENNEDY: auch er Spitzenverdiener im klassischen Konzertbetrieb, auch er mit Ambitionen, einen Fuss in den Jazz zu setzen. Das Resultat, wie erwartet, ähnlich wie bei Quasthoff, ein unnötiges und zum Scheitern verurteiltes Unterfangen. Seine instrumentale Virtuosität ist unbestritten. Dass er damit Jazz-Themen zu intonieren vermag, war anzunehmen. Seine Soli hingegen wirken wie vom Blatt gespielt - viele Töne, keine Aussage. Seine Egozentrik verhinderte offenbar, sich mit den raren Exponenten der Violine im Jazz auseinanderzusetzen, einem Stuff Smith, einem Stéphane Grappelli beispielsweise, deren beseeltes und swingendes Spiel Massstäbe setzte - oder mit Michal Urbaniak, Jean-Luc Ponty und Didier Lockwood, die in den 60er- und 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts damals schon besser vollführten, was Kennedy heute versucht. Wenn er sich wirklich im Jazz messen wollte, müsste er sich an Vorbilder wie Mark Feldmann oder Dominique Pifarély heranwagen - aber in einem sich als "Punkgei[g]er" vermarkten lassenden Fiedler lebt eben nicht selbstverständlich ein kreativer Geist und es lässt sich in ihm kein halbwegs fähiger Improvisator voraussetzen.
Die Anbiederung des Jazz an die Klassik ist ebenso fragwürdig wie unnötig. Kompositionen grosser Meister wie solche von J.S. Bach durch musikalische Leichtgewichte wie J.-J. Loussier oder Eugen Cicero (gebürtiger rumänischer Pianist namens Ciceu) dargeboten und banalisiert, kann zwar bei einem einmaligen Versuch, der zur Erkenntnis führt, dass diese Adaptionen nicht funktionieren, noch knapp akzeptiert werden. Diese Einsicht müsste sich spätestens bei einer Gegenüberstellung eigenen Tuns mit Interpretationen von Glenn Gould oder dessen Antipoden Murray Perahia einstellen, womit das Ansinnen,“Jazz integriert Klassik“, zur Aufgabe führen müsste. Auch der Versuch des "Classical Jazz Quartet" (Barron, Harris, Carter, Nash) mit den CDs "Play Rachmaninov" bzw. „... Tchaikovsky ... Bach“ führt zur gleichen Frage "Was soll denn das?".
Als Fussnote sei angemerkt, dass Roger Cicero, der Sohn Eugens, als in Deutschland gefeierter Nachwuchs-Jazzsänger „der neue Deutsche Swing“ - heute für die allgemeine Warenhaus- und Tankstellen-Beschallung zuständig ist. Der Mann mit Hut dürfte es wohl kaum jemals schaffen, bei einem echten Jazz-Label wie 'HatHut' unterzukommen.
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Plädoyer zur Förderung der IMPROVISATION im schulischen Musikunterricht
Niederschrift eines Interviews in 3sat mit Stephen Nachmanovitch => Er wurde 1950 geboren und lebt in Virginia. Er ist Musiker, bildender Künstler, Autor und ein gefragter Vortragender an Universitäten und Konservatorien. Sein Lebensthema ist die Improvisation bzw. die Spiritualität kreativer Prozesse in Leben und Kunst. Als Violinist gibt er seit den 70er Jahren Konzerte mit improvisierter Musik. Neben zahlreichen Auftritten in Funk und Fernsehen, bei Musik- und Theaterfestivals hält er eine Vielzahl von Workshops in aller Welt ab.
Nachmanovitch ist Autor des Buches "Das Tao der Kreativität"
"Warum ist es gut, Fehler zu machen? Wenn du dir erlaubst, Fehler zu machen, dann kannst du es schaffen, dich selbst und die Einzigartigkeit deines Handelns zu akzeptieren. Es gibt so eine Art von innerem Stock, besonders in der Schule gibt es diesen inneren Stock. Und deshalb haben die Leute Angst, etwas falsch zu machen. Und deshalb möchten wir eine Liste mit den richtigen Dingen haben. Was dann passiert, ist Folgendes: man bildet Musiker heran, die extrem kompetent sind, wunderbar spielen und fähig sind, Partituren mit aussergewöhnlicher Kunstfertigkeit wiederzugeben. Aber, diese Musiker sind austauschbar."
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In seinen Theaterworkshops fordert Nachmanovitch die Teilnehmer auf, die Fenster zu öffnen und schweigend auf die Geräusche zu achten. Mit dieser simplen Übung hören und fühlen sie die Strukturen der Welt, deren Teil sie sind - alles ist wechselseitig verbunden und befindet sich in einem Prozess des Werdens und Vergehens.
Eine Kunstform, die darauf reagiert, berührt das Wesen allen Lebens, ein ungeheurer Kraftquell! Nachmanovitch benutzt dazu das Sanskritwort "lila", was soviel wie "göttliches Spiel" bedeutet. Damit ist gemeint, dass das Universum ein spielerischer Schöpfungsakt ist. Ständig im Wandel, pulsierend. Dinge, Galaxien und Teile des Universums explodieren ständig im Raum und ändern ihr Erscheinungsbild. Es ist, wie der Zen-Meister Suzuki sagte: Alles verändert sich und gleichzeitig steht in allem eine Fülle von Mustern und Strukturen. Diese Musiker und Strukturen sind immer im Fluss und deshalb ist die Vorstellung von "lila" von göttlichem Spiel so ungeheur kraftvoll. Das ist gewissermassen der Bereich, in den wir eintreten, wenn wir unser Musikinstrument spielen, wenn wir Theater spielen, wenn wir einfach wir selbst sind.
In diesem Bereich können elementare Energien nutzbar gemacht werden. Ist der Mensch völlig erfüllt, von dem was er tut, dann sind Ich und Objekt, Verlangen und Erfüllung, eins. Es ist der Moment, in dem der Bogenschütze seinen Bogen spannt."
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Das Dilemma ist bekannt. Anspruchsvollere Musik kommt an die ohrgestöpselte Downloadjugend nicht mehr heran.
Eine nachahmenswerte Möglichkeit, Jazz und improvisierte Musik zu vermitteln, haben sich die Organisatoren des Unerhört!-Festivals in Zürich einfallen lassen.
Zwei der am Festival auftretenden Bands, "Noisy Minority" sowie "Squakk", präsentieren vorher ihre Improvisationskunst drei Mal an Zürcher Gymansien. Es ist zu hoffen, dass bei einigen wenigen Jugendlichen der Funke zündet. |
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JazzLinks hat Aktionen dieser Art im "Credo" ebenfalls als Vorschlag formuliert =>Jazz, Muzak, Schulsack
Unerhört! wird zum absoluten Kreativ-Zentrum und bietet während sieben Tagen in einem höchst anspruchsvollen Programm ein nationales und internationales Aufgebot wichtiger Exponenten der improvisierenden Musik-Szene.
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JazzLinks
für anspruchsvolle HörerInnen
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Jazz-Einsteigern und allen, die ihr eigenes Wissen um die Jazz-Entwicklung auffrischen möchten, ist diese Vortragsreihe sehr zu empfehlen.
Erneut konnte dafür der bekannte Jazzpublizist Tom Gsteiger gewonnen werden.
Nähere Informationen auch erhältlich über
contact@jazz-links.org
angefordert werden
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Ehrungen
Das Aargauer Kuratorium überreichte am 25. Oktober auf Schloss Lenzburg Beiträge an das künstlerische Schaffen und vergab Atelier-Aufenthalte in den Bereichen Literatur und Musik. Eine glückliche Hand bewiesen die Juroren bei der Wahl der Musiker. Für den Jazz waren dies u.a. Co Streiff, Christoph Gallio, Hans Koch, Marcel Lüscher, Omri Ziegele.
Auch der gebürtige Aarauer, Max E. Keller, der vom Kuratorium unter 'Klassik' geführt wird, ist ein früherer Freejazzer und dem Jazz zugewandter freier Improvisator.
Die "Beitragshymne Go Ahead" hatte Martin Schlumpf
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ursprünglich als Komposition für Solo-Klavier
Bläserquartett des Aargauer Symphonie Orchesters arrangiert. Daraus wurde eine kurze musikalische Vignette vor und während der Beitragsverleihung eingefügt. Ebenso kurz wie prägnant waren die Ansprachen von Regierungsrat Rainer Huber und der Kuratoriums-Präsidentin Irene Näf Kuhn. Als Abschluss des offiziellen Teils ein inspiriertes, eindrückliches Altsax-Solo von Co Streiff, mit dem zum gutbestückten Apéro und zu spannenden Gesprächen untereinander übergeleitet wurde. |
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Die Existenz des einzigen Schweizer Jazzmagazins > Jazz'N'More < ist keine Selbstverständlichkeit. Wer auf Profit und schnellen Reichtum aus ist, startet kein Projekt dieser Art und hält es schon gar nicht so lange am Leben. Es gilt ja immer noch der Leitsatz:" Mit Jazz kann man ein kleines Vermögen machen - wenn man zuvor ein grosses hatte." Für den kleinen Markt der deutschsprachigen Schweiz jedenfalls ist es ein risikoreiches, energie- und kostenaufwändiges Unterfangen. Dem Initiator Peewee Windmüller und seinem Team ist die bisher bewiesene Hartnäckigkeit und der Wille, ein in allen Belangen professionelles Jazz-Periodikum herauszugeben, hoch anzurechnen.
Wenn man noch vor nicht zu langer Zeit vom Verdacht beschlichen war, bei den CD-Bewertungen würden zu gute Noten, zu viele Sterne verteilt, wenn es sich beispielsweise um Schweizer Bands handelte oder vielleicht das Inserat eines Labels das Ergebnis positiv beeinflusste, ist diese Tendenz seit einigen Ausgaben kaum mehr feststellbar. Das ist auch gut so. Denn spätestens nachdem ein an sich geneigter Leser die CD eines mit 5 Sternen bewerteten Meisterwerks gekauft und festgestellt hat, dass diese Empfehlung mit vier |
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oder gar nur dreinhalb Sternen immer noch gut bedient wäre, zweifelt er an der Urteilsfähigkeit der Jazz-Rezensenten und somit auch an der Notwendigkeit, das Magazin weiterhin zu kaufen. Der Hinweis auf die dreieinhalb Sternewertung war Absicht. Halbe Noten gibt es bei Jazz'N'More leider (noch) nicht. Doch sie wären für eine feinere Differenzierung notwendig. Da wären viereinhalb Sternchen immer noch ein Beinahemeisterwerk und die fünf blieben den wirklich stellaren der Jazzgeschichte vorbehalten, denen von Parker, Monk, Coltrane, Dolphy, Ayler, Evans, Miles z.B. oder den neuen von Berne, Braxton, Arcado, Lacy, Sclavis etc. Daneben wirkt eine 5-Sternewertung für eine Standard-CD von Thomas Quasthoff wie ein Hohn ("Aktuelles Ärgernis").
Das breitgefächerte Themen-Angebot von Jazz'N'More ist jedenfalls für jazzinteressierte Hörer zwischen Blues, Swing und New Thing ein Gewinn und es besteht noch immer die Möglichkeit, ein Probe-Exemplar zu bestellen -
mit Email:
inquiry@jazz-links.org => Betreff: JNM => Textteil: Postadresse => abschicken
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Hancock, Obama, Ann Malcolm und Schweizer Jazzer in New York
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Nach dem kulturellen Kahlschlag während der Bush-Administration kann es für die kreativen MusikerInnen, die sich von der Entwicklung ihrer Kunst und nicht vom Profitdenken leiten lassen, nur besser werden.
Auf dem harten Pflaster New Yorks haben sich Schweizer wie der Posaunist Samuel BLASER und der Drummer Matthias KUENZLI etabliert. Es braucht Mut und Beharrlichkeit, um sich in diesem Umfeld durchzusetzen.
Den Weg in die umgekehrte Richtung hat z.B. die US Jazz-Vokalistin Ann MALCOLM gewählt. Sie ist Professorin für Jazzgesang an den Hochschulen für Musik von Basel und Mannheim. Leider viel zu wenig präsent auf Schweizer Bühnen, kann ihre Gesangskunst immerhin auf ihrer letzten CD "Shadows Who Dance" aus 2006 genossen werden. Zum Gelingen dieser zeitlosen Contemporary Jazzplatte trug auch die |
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kongenial agierende Begleittruppe [VALLON, OESTER, Terzic] bei (Kritik Cadence).
Interessant wäre die Sicht der Dinge aus dem Zentrum wie auch aus der Distanz dieser MusikerInnen; ebenso, ob sich die Hoffnungen auf eine kulturelle Öffnung und auf eine grundsätzliche Würdigung des kreativen Schaffens erfüllen, nachdem Obama die Wahl gewonnen hat. Wenn ja, bleibt die Befürchtung Herbie Hancocks trotzdem bestehen.
Wer sich für den Kampf der afroamerikanischen Künstler in den USA um kulturelle Anerkennung und ums nackte Überleben interessiert, dem sei die Interview-Sammlung von Christian Broecking "Jeder Ton eine Rettungsstation" empfohlen.
Nachtrag vom 05.11.08: Larry Ochs [ROVA] übermittelte aus aktuellem Anlass diesen Link auf YouTube |
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| Von der Schwierigkeit, Jazzkritiken zu schreiben |
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Im Deutschn Jazzmagazin JazzThing erschien im November 08 eine Kritik von F. von Ameln.
Der Schreibende beweist zwar, dass er sich im Schaffen von Gilbert Paeffgen auskennt, indem er auf die vielfältigen Ausdrucksweisen früherer Aufnahmen hinweist (...verarbeitet mal Stücke des Impressionisten Fauré, mal irische Musik, mal Kompositionen von Mingus, lappländische Volksweisen, Bossa- und Dancefloor-Rhythmen zu einer eigenwilligen Mischung) . Die zu bewertende Aufnahme wird damit jedoch weder erklärt, noch ist dies hilfreich für eine Umschreibung der zu erwartenden Klänge. Der Rezensent wähnt eine "... Chillout-Atmosphäre relativer Ereignislosigkeit ..." und lässt auch hier den Leser wieder im Dunkeln, zumal "Chillout" ein Begriff ist, der vor allem in der Techno-Szene, bei Musikstilen wie Ambient, Dub, Lounge verwendet wird.
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Die "relative Ereignislosigkeit" dürft eine Anspielung auf die mehrheitlich ruhige, in sich gekehrte Ausdrucksweise sein, die die Spannung in sich selbst birgt. Dass keine krachenden Beats, keine wilden Clusters zu erwarten sind, könnte aber auf subtilere, die feine Klangkunst dieses Trios würdigendere Art vermittelt werden.
Aber lesen Sie selbst - ebenfalls die übrigen Wertungen
Und wenn Sie sich trotz aller sprachlicher Ausdeutungen noch immer kein Bild von "STOLP" machen können, JazzLinks bietet 'soundfiles/audio-samples' an, wenn immer diese von MusikerInnen, Bands oder Labels zur Verfügung gestellt werden, wie im Falle von "Stolp". Hörproben sind besser als jede noch so präzise Beschreibung. |
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Hubbards Entwicklungsgeschichte und musikalisches Vermächtnis ist auf einschlägigen Websites ausgiebig dokumentiert. Seine Anfänge im Hardbop sind es weniger. Daher, aus der Zeit des knapp über 20-jährigen bei den Blakey Jazz Messengers, Hinweise auf hörenswerte CDs, auf welchen seine technische Brillanz und hohe Musikalität schon manifest waren => Art Blakey's Jazz Messengers [Blakey dr, Freddie Hubbard tp, Curtis Fuller tb, Wayne Shorter ts, Cedar Walton p, Reggier Workman bzw. Jimie Merrit b] 1962 Blue Note "Mosaic" | 1962 Riverside "Caravan" | 1963 Riverside "Ugestsu" | Wer sich für für Hardbop in Reinform, attackierende Bläsersätze, raffinierte Themen und Arrangements interessiert, dem seien diese Aufnahmen empfohlen.
Wenn auch Hubbard zeitweilig auf die Kommerzschiene einfuhr, zeigten seine musikalischen Interessen über |
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die engen Bereiche seiner Herkunft hinaus. 1971 entstand zum Beispiel das Album "Freddie Hubbard / Ilhan Mimaroglu - Sing Me A Song Of Songmy", ein genre-übergreifendes Werk, bei dem Texte von Kierkegaard, Guevara und anderen rezitiert, Themen von Brahms und Scriabin adaptiert und sound-samplings eingesetzt wurden. Das Cover zeigt Picassos "Massacre In Korea" und versinnbildlicht damit das Thema der LP, den Widerstand gegen den Vietnam-Krieg. Das eingefügte Zitat von Arthur Koestler könnte auch für den heutigen Zustand der Welt geschrieben worden sein: "Man doesn't make war for his individual interest. Nobody makes war because he hates the enemy. The altruism of the individual makes for the egoism of the crowd. This infernal dialectic has been present from the beginning." |
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| ADORNOs ästethische Theorie und die Ansichten namhafter Improvisatoren |
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Auslegungen des KUNSTBEGRIFFES Theodor Adornos "Ästhetische Theorie" [er begann damit in den 50er-Jahren; sie war als Widmung an Samuel Beckett gedacht] - Versuch einer Zusammenfassung:
"Kunst muss sich gegen die Realität abgrenzen, um sich der Vereinnahmung zu entziehen ... Kunst muss weh tun, sie muss die Unwahrheit des gesellschaftlichen Zustandes ans Licht zerren ... Sie wird zum authentischen Spiegel einer sinnlosen Welt, sie ist so abstrakt wie die Beziehung der Menschen, sie wird zu einer unzugänglich verschlossenen Gegenwelt. Sobald Kunst genossen wird, ist es auch schon um sie geschehen. Darum befindet sich Kunst in einem ununterbrochenen Abwehrkampf gegen die Gesellschaft; um sich zu bewahren, muss sie sich den Erwartungen widersetzen, es gibt keine ewigen ästhetischen Normen. Kunst hat immer unverständlich zu sein, alle Kunstwerke sind Rätsel (was sich dem Verstehen fügt, ist keine Kunst, weil sie immer fremd zur Welt ist und wahrnehmen wird sie nur der, der etwas von dieser Fremdheit vernimmt). Und weil Kunst rätselhaft ist, bedarf sie der Interpretation Anschauung zeigt niemals, was ein Kunstwerk ist.“
Dazu Ausschnitte aus der beachtenswerten Interview-Sammlung von Christian Broecking "Jeder Ton eine Rettungsstation" [2007 | ISBN 978-3-935843-85-0] mit teilweise provokanten Aussagen
CRAIG TABORN, Pianist: "Es gibt bestimmte Musiker, die sich politisch engagieren, Dave Douglas ist dafür ein gutes Beispiel. Kreative Menschen sind mit der aktuelle Regierung nicht zufrieden, fühlen sich herausgefordert, ihre Meinung zu sagen. Jeder, der reist, merkt sehr schnell, dass was nicht stimmt." - "... Marsalis war ein musealer Ansatz, der nur ganz bestimmte Stile bediente ..." - "Wyntons Beispiel, mit dieser Musik Geld zu machen, ist jedenfalls vorbei. Wenn du an Geld denkst, wirst du kommerziell - anstatt die Dinge weiterzuentwickeln, die dich interessieren. Viele Musiker in New York warten auf einen, der ihnen sagt, wo es lang geht oder wie sie der nächste Roy Hargrove oder Joshua Redman werden können - die Armani-Ästhetik ist ihre einzige Motivation. Es gibt keine alternative Underground-Ästethik, die sie anspricht ..." |
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VIJAY IYER, Indien-stämmiger amerikanischer Pianist:
"... ich höre Jazz als Geschichte des Widerstands und Kampfes, als Diskurszone. Jazz taugt nur etwas, wenn man den Puls des Widerstands spürt.
Die Geschichte dieser Musik ist von Individuen geprägt, die Risiken auf sich nahmen ... Leute, die unter behüteten Bedingungen Jazz spielen, interessieren mich nicht ... wir wundern uns oft, wer wohl in Europa diese Menschen alle sind, die dort Jazzdiploma machen. Das hat wahrscheinlich auch mit einer sehr amerikanischen Haltung zu tun, dass man sich nämlich die Dinge erkämpfen muss, die gültig sind ... in Australien traf ich einen, der spielte wie Wadada Leo Smith; er war hochsubventioniert; was er machte, klang ordentlich, aber mir fehlte das WARUM in seiner Musik ... ich will wissen, warum und mit welchem Ziel man kreativ ist und genau das will ich hören und nicht die perfekte Kopie. Ich möchte Leute hören, die sich selbst herausfordern ... wenn man Zeit mit Roscoe Mitchell oder Henry Threadgill verbringt, erfährt man, wie aktuell Jazz ist, und wie sehr er mit den wichtigen gesellschaftlichen und ästhetischen Strömungen verbunden ist ... ich will Musik machen, die von heute berichtet.“
WADADA LEO SMITH: „Wir leben nicht im Vakuum, jede künstlerische Äusserung ist sozialer Kommentar, Dialog, Interaktion ... der Künstler ist nicht davon abhängig, ob er Arbeit bekommt oder nicht. Er ist dazu da, bedeutende ästhetische Äusserungen zu tun.“
MALACHI FAVORS vom Art Ensemble of Chicago: „Es gibt in jeder Kultur Leute, die verwirrt, bewusstlos oder einfach nur unwissend sind.“
MICHAEL SCHMIDT-SALOMON, Philosoph und Schriftsteller, aus „Manifest des Evolutionären Humanismus“: „Auch wenn evolutionäre Humanisten die Bedeutung von Wissenschaft und Philosophie als fundamental erachten, ignorieren sie nicht, dass eine lebendige Kultur noch eines weiteren zentralen Stützpfeilers bedarf: der Kunst.“ |
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