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Die Initiative des SMR CSM (Schweizer Musikrat) formuliert 3 Hauptanliegen:
1. Gleiche Qualität des Musikunterrichtes wie in den anderen Fächern - 2. Anrecht auf musikalische Bildung im ausserschulischen Bereich - 3. Optimale Rahmen-
bedingungen für überdurchschnittlich musikalische Begabungen |
Die Initiative wird auch durch das SMS (Schweizer Musik Syndikat, die nationale Vereinigung der Jazz- & improvisierenden MusikerInnen) unterstützt. | Die Wissenschaft hat den Zusammenhang zwischen dem Erlernen und Spielen eines Musikinstrumentes und der damit verbundenen Förderung der Intelligenz sowie der Sozialkompetenz längst nachgewiesen. Einzelheiten > www.musikinitiative.ch
Unterschriftenbögen > info@musikinitiative.ch


Gedanken-Schnipsel

Joachim Kühn über Ornette Coleman:
Ausgerechnet dieser Aussenseiter, dieser akustische Giftmischer per se in den Ohren des normierten Massenpublikums erhielt im Februar 07 den Grammy für sein Lebenswerk. Kühn kann sich das Lachen nicht mehr verkneifen: “Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Selbst die doofen Amis haben nach 50 Jahren endlich erkannt, was sie für einen genialen Musiker in ihren Reihen haben!"

Mythos entlarvt -
"Willst du nicht das Licht anstellen, Sonja? Mit so im Dunkeln lesen machst du dir doch die Augen kaputt."
"So'n Schwachsinn! Wenn ich leise Musik höre, werde ich doch auch nicht taub!"

Die Waffenindustrie hat ihre grüne Seite entdeckt: Eierhandgranaten aus Freilandhaltung.

Lebensmotto heute:
Jedem das Seine und mir das Doppelte - oder anders - einer für alle und alle für mich.

- Bei Bierbrauern und Autobauern ist Hopfen und Malz verloren.

- Schmerzt das Kreuz vom vielen Tun –
  Sollst du in der Kamerun!

Heute bedeutet hohes Arbeitstempo meist nicht mehr, als schnelleres „auf der Stelle treten“.

- Besser noch ein Brett vor dem Kopf, als ein Bohlen im Gehörgang!

· Schlammspray, das ultimative Geschenk für Besitzer Allrad
  angetriebener Offroad-Panzer.

· Die Musik-Industrie hat einen alten Menschheitstraum verwirklicht - aus
  Sch..... Gold zu machen.

· Über Regen jammern ist doof – das meiste geht ja doch daneben.

- Der Verursacher von weltweit bekannten Jazz-Standards wie „Swiss Lady“ oder „Sheila“ sowie Begleiter des in die Jahre gekommenen Sabber-Sackes Mr. Frischfleisch (17 Jahr, blondes Haar, so gefällt sie mir), erhielt den Jazzpreis 2006 des Touristen-Dorfes Ascona.
Pepe Lienhard, ein würdiger Gewürdigter. Glenn Miller machte es vor einem halben Jahrhundert vor. Er brachte die Kriegs-Teilnehmer WW II zum Swingen. Heute kommen durch Pepe's Gnaden die Schweizer Miliz-Soldaten aus dem Tritt. Selten noch Märsche wie "Preussens Gloria" oder "Alte Kameraden". Immerhin lässt es sich bei beiden musikalischen Retro-Varianten so wunderbar im Takt klatschen. Das Publikum ist dafür auch hier dankbar. In der Literatur würde man ihm den "Heim ins Reich-Ranicki-Marsch" blasen.
Positiv: für Militärmusiker, darunter nicht wenige Jazzer, ist es ein gutes Instrumental-Training. Die Wahl der Truppengattung fällt daher leicht. Es ist bedeutend nützlicher, die Fingerfertigkeit zu üben, als sich bei "Attacke, BöFei von links" in den Dreck zu schmeissen.

- Pierre Favre: "Die Berufsbezeichnung Komponist hat für mich etwas Lächerliches", sagt er verschmitzt, "der Klang des Wortes lässt mich an 'Prokurist' denken."

- Als Begründer der Amerika-Verachtung kann der schwäbische Schimpfkanonier Friedrich Theodor Vischer (†1887) gelten: "Amerika ist mir eine abominable Vorstellung, denn es ist kein Volk da: nur angeschwemmte Krämer, die nicht eingeboren sind, und unmenschlich verdrängte Eingeborene" und über Zürich meinte er ".. der Übelstand, dass die Züricher an ihrem See keine einzelnen Badehäuschen haben" (Sorgen hatte der Mann!)


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Lebens- und Todesfälle

Biographische Daten zu Musikern und Bands finden Sie bei
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ORNETTE COLEMAN ist für den Grammy Lifetime Achievement Award nominiert (11.02.07), Sound Grammar als bestes Jazz Instrumental Album

MICHAEL BRECKER
, im Alter von 57 Jahren an Leukämie gestorben. Mit ihm verlässt ein virtuoser, stilbildender, äusserst vielseitiger (neben Jazz auch in Pop, Rock und Fusion tätig) und nur den eigenen hohen Qualitätsansprüchen verpflichteter Saxofonist und Improvisator für immer die Jazzszene.

ALICE COLTRANE, *1937, † 2007; Pianistin, Harfenistin, Organistin und Komponistin; Witwe von John Coltrane.


ROSANNA TAVARES, Lead-Sängerin des brasilianischen Duos Rosanna & Zélia starb am 9. Okt. 2006 erst 44-jährig an Krebs.

DUKE JORDAN - am 1.4.22 in Brooklyn geboren, am 8.8.06 in Valby DK gestorben. Bekannt geworden als Bandmitglied von Charlie Parker, der ihn als seinen Lieblingspianisten bezeichnete. Er spielte u.a. in den Gruppen von Coleman Hawkins, Roy Eldridge und Stan Getz und komponierte die Filmmusik zu "Les Liaisons dangereuses (mit Jeanne Moreau). Seit 1978 lebte und arbeitete er in Kopenhagen, wo er unzählige Aufnahmen für das dänische Label Steeple Chase einspielte.

Am 16. Juli 2006 starb der Trompeter und Komponist MALACHI THOMPSON. Er war einer der zentralen Figuren in der Chicagoer Avantgarde und Experimentalszene

Am 7. März 2006 starb ALI FARKA TOURE in Bamako an Knochenkrebs. Er galt als grösster und erfolgreichster Musiker Malis. Einmal wies er die Behauptung John Lee Hookers, er sei sein "legitimer Nachfolger" entrüstet zurück mit der Gegenbehauptung, er sei kein Nachfolger, er sei der Ursprung. "Was wie Blues tönt, ist unsere Tamaschek-Musik".

CLAUDE NOBS, der Hans in allen Gassen dampfende Gründer und Leiter des Montreux Jazz Festivals wird für die 40. Ausgabe gelobt und gehudelt. An sich ist dagegen nichts einzuwenden, da sicherlich eine grosse Promotions- und Logistik-Leistung dahintersteckt - und da der Begriff "Jazz" sowieso langsam aber stetig verludert, sei's drum. Dass dann aber neben den höchstens 15 % Programmanteilen JAZZ (grösstenteils aus dem Retro- und Schunkel-Bereich), die dem Festival immerhin den Namen geben/gaben, weitgehend nur Pop, Kitsch und Ramsch geboten wird, geht denn doch entschieden zu weit.

Von den Verschollenen zu den Lebenden zurückgekehrt: HENRY GRIMES, der 1935 geborene Bassist, einer der wichtigsten Freejazz-Pioniere und Begleiter von Cecil Taylor und Don Cherry verschwand Ende der 60er Jahre sang- und klanglos aus dem Jazz-Zentrum. Finanzielle Nöte liessen ihn an die Westküste übersiedeln, wo er verschiedene Gigs annahm und letztlich, um überleben zu können, sein Instrument verkaufte, und auch auf dem Bau arbeitete. Der hervorragende Bassist William Parker verhalf seinem Idol zur Rückkehr auf die Jazz-Szene und somit zum Start seiner 2. Karriere, indem er ihm einen Bass verschaffte. Grimes war im September und Oktober 06 auf Europa-Tournee, so u.a. mit David Murray und Hamid Drake sowie in Marc Ribot's Ayler-Projekt "Spiritual Unity"
Website Henry Grimes


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Nachlesen nachlesen (Kritiken und Wertungen)

Donnerstag, 25. Jan. 07, 12.30-13.15 h | Mittagsmusik 'am gleis 1', Brugg
POTAGE DU JOUR - bestehend aus Franziska Baumann voice, Jürg Solothurnmann ss, as; Christoph Baumann p
Was sich schon beim Anhören der gleichnamigen, bei Leo Records erschienenen CD offenbarte, wurde beim Live-Auftritt nochmals verstärkt: Geist und Gehörgänge wurden in einem noch grösseren Masse geöffnet und von den Folgen der täglich aufgezwungenen Muzak-Beschallung befreit.
Potage du Jour erinnert etwa an Hausmannskost, an Restenverwertung und erklärt auf Anhieb nicht, was unter dieser ungewöhnlichen Bezeichnung musikalisch zu erwarten ist. Durch die einleitenden Worte von Jürg Solothurnmann, die Band sei zwar sinngemäss die Suppe, das Publikum aber Salz und Pfeffer wurde immerhin angedeutet, dass der Zuhörer seine eigenen Ingredienzien beizufügen habe oder umgedeutet, er müsste seine eigenen, verinnerlichten Klänge mit dem Gehörten in Verbindung bringen.
Schon nach den ersten Tönen wurde klar, dass selbst Hörer, welchen freie Improvisationen bisher fremd waren, sich dem Bann dieses
Dreiergespanns nicht entziehen konnten. Vor allem Franziska Baumann erstaunte mit ihrer unvergleichlichen Vokalkunst. Es blieb auch offen, was mehr zu bewundern sei, ihre unbeschreibliche Stimmtechnik, der musikalische Gehalt oder die frei fliessende Verständigung mit ihren eingeschworenen Partnern.
Beim Versuch einer Zurodnung könnten improvisierende Vokalistinnen wie Lauren Newton, Greetje Bijma oder Sainkho Namchylak herangezogen werden, ohne aber damit auch nur annähernd Vielschichtigkeit und Variantenreichtum der stimmlichen Möglichkeiten von Franziska Bauman anschaulich zu machen. Zu originär ist ihr künstlerischer Ausdruck, um sie einem Direktvergleich aussetzen zu können bzw. zu müssen.

Stürmische, energiegeladene Ausbrüche wechselten mit geräuschhaften und intensiven ruhigen, zarten Passagen. Damit ist die Vielfalt der erzeugten Stimmungen und Bilder nur sehr ungenügend umschrieben. Christoph Baumann, der mit allen Stilwassern gewaschene Pianist, in seiner Vielseitigkeit an sein englisches Pendant Django Bates erinnernd, löste seine Aufgabe erwartungsgemäss hervorragend. Er setzte rhythmische Akzente und fügte eine Palette an Klangfarben zwischen Impressionismen bis hin zu tayloresken Clustern bei. Jürg Solothurnmann, als kongenialer Mittler und Vermittler, agierte als Widerpart zur Stimme, verwebte oder überlagerte diese mit seinen intensiven Saxofonlinien oder fügt kurze, geräuschhafte Statements bei.
Das war/ist
Improvisationskunst auf höchster Ebene, wild, zart, emotional, kunstvoll und ungekünstelt, an- und erregend - eine intime Dreierkonversation, die bis zum Schluss spannend blieb. "Potage du Jour" - ein Unikat in der mainstream-dominierten Flut.

Die gleich zusammengesetzte Formation "In Between" der Pianistin Esther Bächlin mit der Vokalistin Lauren Newton und dem Saxofonisten und Englischhorn-Spieler John Voirol hinterliess beim Auftritt vom
1.2.07 im Jazzclub Aarau einen nur halbwegs überzeugenden Eindruck. Obwohl auch hier die Stimme als Instrument eingesetzt wurde, wirkte das Konzept eher klassisch-bieder und erzeugte ein Gefühl von déja entendu. Das stimmliche Ausdrucks-Spektrum von Lauren Newton hielt sich in engem Rahmen und es fehlte die Risikobereitschaft. Zwar gut gemacht das Ganze, aber eben nicht mehr. Hervorzuheben ist jedoch John Voirol, welcher einige beeindruckende Soli beisteuerte.

Und übrigens - die Mittagsmusik im Hause der Metron-Architekten in Brugg ist zur Nachahmung empfohlen.
Am Donnerstag, 22.2.07 spielten: Pianist Christoph Stiefel mit Marcel Papaux dr, Patrice Moret b. Das Besondere an deren Spielkonzept ist die Verwendung der Isorhythmie, einer Kompositionstechnik aus dem später Mittelalter, welche dieses Piano-Trio von anderen Mainstream-Gruppen unterscheidet.

unerhört-Festival in der Roten Fabrik und im Jazzclub Moods, Zürich

Dienstag, 28. November 2006, Moods
Daniel Studer - Peter K. Frey - Zwei Klangtüftler und Freigeister im Dialog an zwei Kontrabässen: Für den Zuhörer war es nicht eben einfach, einen Zugang zu finden und die musikalische Aussage zu erfassen. Zu ähnlich waren die instrumentalen Äusserungen und eingesetzten technischen Mittel.
Der Solo-Auftritt von Daniel Studer beim Loft-Festival "Neue Musik" in Suhr war bedeutend einprägsamer und eindrücklicher. Seine hervorragende Technik, wie auch seine überschäumende Kreativität waren hier unbeeinträchtigt nachvollziehbar (und auch durch keine werkelnde Bar-Crew im Hintergrund gestört).
Das Dave Holland Quintet bot im Vergleich zu den beiden Saiten-Zauberern "währschafte" Kost. In einem spieltechnisch ausgezeichneten, perfekten Set wurde moderner Straight-Ahead-Jazz auf hohem Niveau zelebriert. Auch der Neuzugang - Schlagzeuger Nate Smith - und Pianist Jason Moran, welcher den erkrankten Vibrafonisten Stefon Harris ersetzte, überzeugten. Trotz hoher Perfektion blieb jedoch nicht viel mehr als die Erinnerung an eine zwar gelungene, jedoch wenig innovative Mainstream-Session. Dave Holland hat sich in dieser Sparte komfortabel etabliert. Die Down Beat-Leserschaft hat ihn soeben zum besten Bassisten des Jahres, zum besten Big Band-Leader und sein Quintet zur besten Jazz-Formation gekürt. Sein eigener Aufbruch in neue Sphären hat er seit seinem Mitwirken bei Miles Davis in den 1970er Jahren und den anschliessend eigenen, höchst interessanten Produktionen wie "Conference Of The Birds" (mit Sam Rivers, Anthony Braxton, Barry Altschul), "A.R.C." (mit Chick Corea, Barry Altschul) oder dem Bass-Duo mit Barre Phillips hinter sich gelassen. Dies als Randbemerkung, ohne seine Meriten schmälern zu wollen.
Die Moods-Leitung wäre gut beraten, das gleichgültige und verächtliche Verhalten der geschirrklappernden, flaschen-und gläserklirrenden Bar-Crew gegenüber den in einem künstlerischen Prozess stehenden Musikern durch klare Anweisungen zu unterbinden, um den Besuchern einen ungestörten Musikgenuss zu ermöglichen.

Loft-Festival NEUE MUSIK in der "Alten Spinnerei" Suhr
Freitag 12. November 2006
Daniel Studer Kontrabass solo: technisch und musikalisch auf höchstem Niveau, unglaubliche Schwerelosigkeit und Vielfältigkeit des Ausdrucks. Ein Musiker, den es in Zukunft zu beachten gilt. Er bestätigte seine Qualitäten auch in der Grossformation des "Billigen Bauern" am unerhört-Festival Zürich.
Roman Nowak, Solo-Gitarre: Monk- und Ellington-Themen zerlegt und neu zusammengesetzt; schräge Versionen von alt Bekanntem; herrlich unkonventionell gespielt und inszeniert.

Samstag, 13. November 2006
Jürg Frey, Klarinette, Komposition, Texte, Sprecher: Wenn es Absicht war, das Publikum durch Langeweile zu provozieren, ist dies vollumfänglich gelungen, aber seit den Auftritten des "Living Theatre" in den 1960ern, welches nach einem ähnlichen Konzept arbeitete oder gewissen Kompositionen von John Cage, eben nicht mehr sehr zeitgemäss. Das erste Stück - "Ferchten" - bestehend aus erfundenen Flurnamen, liess weder einen phonetischen noch rhythmischen Zusammenhang erkennen. Selbst "Bundeslocher liest aus dem AUNS-Programm" wäre spannender.
Im dritten Teil tropften während einer halben Stunde sporadisch, in eintöniger Stimme vorgetragene, inhaltsschwere Begriffe aus den 4 Lautsprechern - zwischen den Wortblöcken vereinzelte lange Klarinettentöne. Der Komponist verpasste es leider, aus seinem Konzept einer "topographischen Klanglandschaft" mehr zu erzeugen, als eine karge Wort- und Tonwüste. Allein durch eine dynamischere Stimmführung und besserer Nutzung der technischen Möglichkeiten z.B. dadurch, einen dazu geeigneten Begriff über die Lautsprecher von innen nach aussen explodieren zu lassen oder durch assymetrische Ansteuerung ein Raumgefühl zu entwickeln, hätte für den Hörer ein spannenderes Werk entstehen können.
Markus Eichenberger, Klarinette: Seine "Erinnerungsfetzen" aus Jugend und Musikerleben setzten einen klanglich vielfältigen, mit "Willow Weep For Me" endenden und wohl für die meisten der Anwesenden versöhnlichen Abschluss des Mini-Festivals.


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Frühere Texte

ÄRGERNIS
Da sind Organisatoren von Jazzfestivals während des Jahres mit dem Kampf um die Finanzierung beschäftigt, leisten Hervorragendes in grafischer und optischer Konzeption, stellen musikalisch hochwertige Programme zusammen und vollbringen organisatorische und logistische Glanzleistungen. Allerdings immer wieder erstaunlich ist es vor diesem Hintergrund, dass Hingabe und Perfektion im wichtigsten Anliegen, der Musik, in einem Punkt nicht spürbar ist. Der Besucher wird vor, zwischen und nach dem eigentlichen Grund seines Kommens mit Erzeugnissen aus der Klang-Kloake übergossen. Kein Anflug mehr der sonst gezeigten Detailversessenheit. Die musikalische Ausgestaltung wird den Vorlieben der Schieber an den Mischpulten überlassen. Beispiele gefällig? Willisau 2007, vor, mitten und nach den Auftritten von Louis Sclavis und Chris Potter nervten basslastige Reggea-Popversionen, am 'jazznojazz 2007' wurden die Anwesenden vor, mitten und nach Kühn/Bekkas/Lopez und Schriefel's Shreefpunk mit Norah Jones überzuckert. Auch das aussergewöhnliche Ambiente im ebenso aussergewöhnichen EWZ-Unterwerk Selnau machte die beinahe schon an Nötigung grenzende Belästigung nicht wett.
Andersrum - Norah Jones würde neben dem sonst üblichen Geschwalle aus dem Banalitäten-Stadl im Warenhaus oder an der Tankstelle ohne weiteres als positiv empfunden. Das Abspielen von Smooth-Jazz und Party-Sound an Jazz-Veranstaltungen ist jedoch eine Missachtung derjenigen Interpreten, die auf der höchsten der möglichen Stufen Musik kreieren und deren Schaffen durch solche unpassenden und unverständlichen
Umrahmungen entwürdigt wird.
Wie wäre es denn mit einem vom Veranstalter bestimmten, stimmigen musikalischen Begleit-Service, wenn denn schon RUHE dem Publikum nicht zugemutet werden darf? Ein Versuch wäre es immerhin wert.
Neuester Fall: Moods im Schiffbau, 03.12. GROSSER BAUER; wer sich auf die Musik des omripotenten Power-Bauer mit seiner subventionsfreien Landwirtschafts-Kolchose einlassen will, kommt mit entsprechenden Erwartungen und verzichtet gerne auf irgendwelche Wohlfühlklänge davor.